Das Problem der chronischen Krankheiten


Hahnemann hatte demnach große Erfolge bei der Behandlung akuter Krankheiten. Er stieß aber auch auf ihm neue, rätselhafte Probleme. So kamen manche akuten Erkrankungen wieder, wurden behandelt und kamen wieder, bis das gegebene Mittel nicht mehr wirkte. Oder auf akute Krankheiten folgten Nachkrankheiten, wie z.B. Nieren- oder Herzerkrankungen nach Mandelentzündungen. Heute kennen wir dieses Phänomen auch: Kinder bekommen z.B. immer wieder Halsinfekte, die antibiotisch behandelt werden und dennoch immer wieder kommen. Frauen leiden z.B. manchmal an wiederkehrenden Pilzerkrankungen und trotz leitliniengetreuer Behandlung kommen diese Erkrankungen immer und immer wieder.

Hahnemann vermutete chronische Prozesse hinter diesen Erscheinungen. Chronisch bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass es sich um Erkrankungen handelt, die länger als 6 Wochen dauern, sondern es sind Prozesse, die beginnen und die der Körper aus eigener Kraft nicht mehr stoppen kann. Diese Prozesse laufen nach Hahnemann bis zum Lebensende fort und führen am Ende des Lebens zu Krebs, Arteriosklerose, Diabetes, Rheuma oder anderen Erkrankungen.

Bei seinen „Problempatienten“ stellte er immer wieder fest, dass die Probleme mit der – seiner Ansicht nach falschen – Behandlung von bestimmten Erkrankungen begannen und von selbst nicht mehr aufhörten.
Hahnemann schloss:
Bestimmte Infektionskrankheiten führen bei einigen Patienten zu bestimmten, vom Körper selbst nicht mehr zu stoppenden Störungen.

Die Nachfolger Hahnemanns beobachteten zudem, dass erworbene Erkrankungen Spuren im Erbgut hinterlassen können. Wir sprechen dann von vererbten oder hereditären „Miasmen“. Damit ist nicht gemeint, dass der Patient die Infektionskrankheit selbst geerbt hätte und nun auch infektiös sei, sondern es sind die genetischen Spuren, die die Infektionskrankheit wahrscheinlich hinterlassen hat.